„Ponnath war und ist mein ganzes Leben!“ – Interview mit Margit Ponnath


Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau – diesen Satz hört man oft, doch es steckt, gerade in den älteren Generationen, viel Wahrheit dahinter. Ein Paradebeispiel dafür ist Margit Ponnath: Die Ehefrau von Max Ponnath II stand nicht nur privat, sondern auch beruflich an der Seite ihres Mannes. Gemeinsam bauten sie die Familienmetzgerei Ponnath ab den 1960er Jahren zu einer überregional tätigen Großmetzgerei auf. Margit Ponnath übernahm dabei den Großteil der organisatorischen und kaufmännischen Aufgaben im Hintergrund. Sie spielte damit eine entscheidende Rolle für den Erfolg des Unternehmens und hat PONNATH maßgeblich mitgeprägt. Bis heute ist sie im Alter von 80 Jahren im Unternehmen aktiv. Anlässlich des internationalen Frauentags erzählt uns Margit Ponnath von ihrer Rolle in der Geschichte des Unternehmens, wie sie es geschafft hat, Familie und Arbeit zu vereinen und was PONNATH für sie bedeutet. Entstanden ist ein eindrucksvoller Bericht, der neue Einblicke hinter die Kulissen der PONNATH family group gibt.


Was war deine Rolle bei der Entwicklung des kleinen Familienbetriebs zu einer Großmetzgerei? Wie hast du diese Zeit des Umbruchs im Unternehmen persönlich erlebt und welche Aufgaben hattest du bei PONNATH über die Jahre?

„Wenn ich so zurückdenke, war diese Rolle zeitlebens sehr breit gefächert. Nach der mittleren Reife und einer anschließenden Ausbildung zur Hotelkauffrau kam ich bereits 1964 mit 19 Jahren quasi als Verlobte von Max in das Ponnath Metzgerhaus in Kemnath. Damals wurde außer der Metzgerei auch noch der Gasthof bewirtschaftet. So gab es für mich Arbeit in Hülle und Fülle. Zum einen war ich im Gasthof tätig, half beim Kochen, Servieren, tätigte den Einkauf und vieles mehr. Dann gab es den Metzgerladen im Haus, den ich ebenfalls zum Teil mit betreute und in dem ich das Verkaufen von Wurst und Fleisch erlernte.

Etwa 1965 reifte bei Max und mir der Gedanke, unsere Produkte überregional zu vertreiben und zwar zuerst in den Großraum Stuttgart, da Max dort gute Beziehungen hatte. 1966 heirateten wir und lebten dann während der Woche in einer „Fernbeziehung“.

Mein Mann überschüttete uns von Stuttgart aus mit Aufträgen – seine große Stärke war bis ins höhere Alter der Verkauf – er war der Starverkäufer schlechthin! Der rasant steigende Umsatzzuwachs bedurfte natürlich zu Hause größter Anstrengungen und Organisation, was nun wieder mein Part war. Angefangen von der Schlachtung (damals noch im Betrieb), der Produktion über die Erstellung der Lieferscheine per Hand, Rechnungsstellung bis zur Buchhaltung und jeden Sonntagvormittag die Auszahlung der Landwirte für das gelieferte Schlachtvieh in unserem Gasthof, die natürlich immer mit einem zünftigen Frühschoppen verbunden war.

Natürlich musste der Gasthof zusätzlich täglich mit betreut werden und da kam es nicht selten vor, dass an manchen Tagen die Nacht nur drei bis vier Stunden dauerte. Meine damals sehr robuste Gesundheit und die Leidenschaft für die große Aufgabe, kontinuierlich weiter zu wachsen, haben mich getragen, diese extremen Strapazen zu meistern. Dafür sorgte mein Mann im Außendienst mit dem gleichen Einsatz für immer mehr Kunden und half natürlich auch an den Wochenenden zu Hause mit. Jeder hatte seine Aufgabe und wir zogen an einem Strang.

Der Umsatz vervielfachte sich laufend und bald dehnten sich unsere Lieferungen über ganz Deutschland aus. Im alten Betrieb wurde mehrmals an- und umgebaut, dies zu organisieren zählte auch zu meinen Aufgaben. 1972 stellten wir den Gasthofbetrieb ein, da wir auch Platz für Büros und Unterkünfte für auswärtige Mitarbeiter benötigten.

Gegen Mitte der 1980er Jahre platzte unsere Produktionskapazität aus allen Nähten und wir befassten uns mit Aussiedlungsgedanken ins Industriegebiet in unserer Heimatstadt Kemnath. Mein Mann delegierte die Aufgabe, diesen ganzen Prozess zu organisieren, an mich weiter, denn neue Kunden mit neuen Aufträgen waren nun für die Auslastung des Neubaus notwendig.

Mit einem Facharchitekten, unserem damaligen Betriebsleiter und einem externen Kaufmann, der die gesamten Gewerke preislich verhandelte, ging ich den ersten Bauabschnitt an und wir konnten innerhalb kürzester Bauzeit 1986 vorläufig mit einigen Abteilungen in das Industriegebiet übersiedeln.

Nachdem sich 1989 durch den Mauerfall ein neuer, sehr umfangreicher Markt ergab, errichteten wir sofort den zweiten Bauabschnitt und zogen mit den restlichen Abteilungen um. Diese beiden Projekte bedeuteten für mich wiederum eine große Herausforderung. Aber mindestens ebenso groß war die Freude, das Unternehmen auf einem neuen erfolgreichen Weg in die Zukunft zu wissen.

Nachdem zu dieser Zeit nun alle relevanten Abteilungen in der Verwaltung mit kompetenten Mitarbeitern besetzt waren und auch unser Sohn Michael mit frischer Kraft und Sachverstand in die Firma eintrat, wurde es für mich wesentlich leichter. Nun widmete ich mich bis auf sporadische Ausnahmen in erster Linie dem Marketing, für das ich eine große Leidenschaft entwickelte. In dieser Zeit erstellte ich auch mithilfe zweier promovierter Historiker die Firmenchronik von den Anfängen 1692 (familienbezogen zurück bis ca. 1550) bis 1964. Zurzeit bin ich dabei, Vorbereitungen für unsere Chronik von 1965 bis 2025 zu treffen. Die Marketingabteilung ist nun schon seit etlichen Jahren in neuen kompetenten Händen und so bin ich schon längere Zeit nicht mehr im allgemeinen Tagesgeschäft tätig.“


Du warst natürlich nicht nur Geschäftsfrau, sondern auch Mutter – wie hast du es geschafft, beide Bereiche zu vereinen?

„Das ist eine gute Frage. Wenn man muss und auch will, kann man sehr vieles schaffen. Ich hatte Gott sei Dank meine Eltern, die sich sehr viel um unsere Kinder gekümmert haben, ebenso meine Schwiegereltern, sowie auch teilweise Kindermädchen. Am Wochenende war ich meistens für die Kinder da und natürlich auch abends. Unser Sohn ist zwar noch in der ersten extremen Phase unseres Aufbaus geboren worden und musste somit in der ersten Zeit mit verschiedenen Bezugspersonen vorliebnehmen. Aber als unsere Tochter Carolin auf die Welt kam, hatten wir kurz vorher den Gasthof aufgegeben, so dass ich meine Tageseinteilung nun besser steuern konnte.“


Du bist bis heute im Unternehmen aktiv. Um welche Aufgaben kümmerst du dich immer noch?

„Grundsätzlich arbeite ich eigentlich nur noch im Hintergrund. Zum Beispiel spreche ich mit unserem Küchenchef für die Mitarbeiterkantine die wöchentlichen Speisepläne durch und erstelle diese auch. Es liegt mir sehr viel daran, dass unsere Mitarbeiter ein gutes Essensangebot bekommen. Dann bin ich mit unserem Werksverkauf in Kontakt und tausche mich dort sehr gerne mit der Leiterin oder den Mitarbeitern aus – sei es bei Problemen oder Verbesserungen irgendeiner Art – und versuche, dabei zu helfen. Zusätzlich erledige ich sporadisch kleinere Marketing- oder PR-Aufgaben, verantworte die Verwaltung des Firmenarchivs und der Chronik – Kleinigkeiten eben.“


Welche Ereignisse oder Erfolge in der Unternehmensgeschichte haben dich besonders stolz gemacht?

„Es sind viele kleine und große Dinge, die mich im Laufe der 62 Jahre, in denen ich nun im Unternehmen bin, stolz und glücklich gemacht haben. Worüber ich mich sehr freue, ist, dass ich dazu beitragen konnte, dass wir diese seit 1692 bestehende Metzgerei mit großem Erfolg weiterführen und trotz Aussiedlungsneubau finanziell gesund an unseren Sohn Michael weitergeben konnten. Dass jetzt auch schon die nächste Generation mit Max III mit gleicher Leidenschaft im Unternehmen agiert, macht mich sehr glücklich.“


Was bedeutet PONNATH für dich?

„Ponnath war und ist mein ganzes Leben!“


Wie blickst du auf die Zukunft des Unternehmens?

„Michael und Max sind ebenfalls Kämpfer – wahrscheinlich liegt dies in der DNA – sonst würde es Ponnath schon lange nicht mehr geben. Ich bin überzeugt, dass die beiden, sofern es in ihrer Macht steht, alle Kraft einsetzen werden, um die Firma weiterhin erfolgreich in die Zukunft zu führen. Sie hat in der Vergangenheit Krisen, etliche Kriege, frühe Todesfälle überstanden – zum Beispiel den meines Schwiegervaters, der 32-jährig im 2. Weltkrieg an Herzinfarkt verstarb, als mein Mann gerade mal 5 Jahre alt und deshalb der Fortbestand der Metzgerei sehr kritisch war. Deshalb hoffe ich sehr, dass die negativen Auswirkungen der momentan immens ins Trudeln gekommenen Welt ohne größere Schäden für unser Unternehmen umschifft und auch gemeistert werden können.“


Welchen Tipp bzw. welche Lebensweisheit kannst du der jüngeren Generation an die Hand geben?

„Sich als Unternehmensführer immer als Pionier sehen, auch wenn man vermeintlich bereits ganz oben angekommen ist. Niemals die Bodenhaftung verlieren und mit seinen Mitarbeitern auf Augenhöhe kommunizieren. Attraktive und ehrliche Produkte zum besten Preis-Leistungsverhältnis anbieten. Mit Bedacht, gesundem Menschenverstand, Leidenschaft und Ausdauer agieren – in guten wie in schlechten Zeiten.

Und nicht vergessen: Das Glas ist immer halb voll!

Das alles gilt natürlich nicht nur für Unternehmer….“